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BEITRAG // HARDWARE & GEDANKEN

Wartbare Laptops, wo sind sie hin?

● Beitrag · ein Rückblick zwischen Nostalgie und Realität

Hinweis: Dieser Text wächst noch. Zu dem Thema habe ich einiges zu sagen, das kommt nach und nach dazu.

Früher war ein Laptop etwas, das man aufschraubt, aufrüstet und über Jahre am Leben hält. Heute ist echte Wartbarkeit zur Seltenheit geworden. Ein Rückblick auf meine eigenen Geräte und die Frage, was von der freien Wahl eigentlich übrig bleibt.

01Der Anfang: Dell Inspiron 9400

Mein erster großer Begleiter war ein Dell Inspiron 9400 mit Core Duo T2400, 4 GB RAM und einer NVIDIA GeForce Go 7800 GS. Gekauft habe ich ihn um 2009 für 240 Euro über eBay, und er war top in Schuss. Die Grafikkarte hat mich später einiges an Nerven gekostet. Immer wieder musste ich sie im Ofen backen, damit die Lötstellen der Speicherchips wieder Kontakt bekamen.

Und dieses Backen war kein sanftes Aufwärmen. Karte komplett ausbauen, Kühler runter, alles weg, was schmelzen kann. Dann das nackte Board auf eine wackelige Alu-Konstruktion setzen, ab in den Ofen bei 200 Grad für 20 Minuten. Danach heißt es abwarten, bis alles komplett abgekühlt ist, und hoffen, dass noch alles dran sitzt und die Karte nach dem Wiedereinbau tatsächlich wieder läuft. So ein Durchgang hielt dann meist mindestens acht Monate, bis sich erneut Streifen auf dem Display zeigten.

Eine neue Karte war sehr teuer, und was es noch komplizierter machte: Der Anschluss war eine Dell-Sonderlösung, kein normaler Standard. Irgendwann war das Gerät dann einfach zu alt, auch wenn Windows 7 erstaunlich gut darauf lief.

02Die gute Zeit: XMG P704 (Clevo P177SM-A)

Mitte 2014 zog ein XMG P704, im Kern ein Clevo P177SM-A, bei mir ein. Ursprünglich mit einer AMD Radeon R9 M290X, 8 GB RAM und einem Intel Core i7-4810MQ. Später habe ich die AMD gegen eine NVIDIA GeForce GTX 970M getauscht, was damals problemlos ging. Dieses Setup hat mich bis Mitte 2021 begleitet.

Dann habe ich spürbar gemerkt, dass die Leistung langsam zu knapp wird, sich weiter aufrüsten aber nicht mehr lohnt. Bis dahin war der P704 aber genau das, was ich mir wünsche. Anschlüsse satt, und statt des DVD-Laufwerks konnte man eine HDD oder SATA-SSD einbauen oder den Schacht für mehr Airflow einfach leer lassen.

03Der aktuelle: XMG NEO 17 (Tongfang)

Beim Neukauf 2021 stand ich zum ersten Mal wirklich vor der Frage, was es überhaupt noch gibt. Inzwischen gab es sogar richtig gute AMD-CPUs im Notebook, und genau so eine wollte ich unbedingt haben. Meine Quellen waren wieder die alten: Schenker, NotebookCheck und stundenlanges Durchwälzen von Foren. Als Clevo-Barebone gab es nichts Passendes mehr, nur noch Tongfang.

Am Ende wurde es ein XMG NEO 17 (Early 2021) mit AMD Ryzen 7 5800H und NVIDIA GeForce RTX 3080. Anfangs nach dem Motto „Geiz ist geil" nur 16 GB RAM, später habe ich ein 64-GB-Kit nachgekauft. Ein gutes Gerät, aber die Auswahl war beim Kauf schon spürbar geschrumpft.

04Drei Laptops im Vergleich

Alle drei hatten oder haben ihre Stärken und Schwächen. Am langlebigsten waren für mich klar der Dell 9400 und der erste XMG P704.

  Dell Inspiron 9400 XMG P704 (Clevo) XMG NEO 17 (Tongfang)
Baujahr bei mir2009 (eBay)Mitte 20142021 bis heute
CPUCore Duo T2400Core i7-4810MQRyzen 7 5800H
GPUGeForce Go 7800 GSR9 M290X, später GTX 970MGeForce RTX 3080
RAM4 GB8 GB16 GB, später 64 GB
CPU tauschbarJaJaNein, verlötet
GPU tauschbarJa (teuer, Dell-Norm)Ja (MXM)Nein, verlötet
RAM / SSDTauschbarTauschbarNoch tauschbar
AkkuHerausnehmbarHerausnehmbarFest verbaut
AnschlüsseVieleViele, plus LaufwerksschachtWeniger
GehäuseRobust, dickRobust, dickFiligran, kompakt

Ja, die beiden alten sind Plastikbomber. Aber robust, und nicht so, dass man schon beim Husten denkt, jetzt geht etwas kaputt.

05Was sich beim NEO geändert hat

Zwei Monate nach Ablauf der Garantie ist mir das Display gestorben. Es wurde einfach zur Mitte hin schwarz, wie in einem schlechten Horrorfilm. Das habe ich über den Service tauschen lassen, das neue funktioniert tadellos. Danke nochmal an den Support. Dieses Jahr kam dann Spulenfiepen dazu, als säßen 100 Grillen im Laptop. Ich habe versucht, das zu ignorieren, am Ende ein neues Netzteil gekauft, und seitdem ist Ruhe.

Jetzt wird der geneigte Leser sagen: Ja, es kann eben passieren, dass mal etwas kaputtgeht. Darum geht es mir persönlich gar nicht. Was beim NEO eben auch neu eingezogen ist, sind ein fest verbauter Akku und weniger Anschlüsse.

Beim Saubermachen und Repasten muss man teils aufpassen, dass man keine Nasen oder Haken am Gehäuse abbricht. Ich bin halt dickeres Material gewohnt. Innen ist alles sehr filigran und klein, also mehr Obacht. Selbst eine Heatpipe könnte man verbiegen, wenn sie fest sitzt. Und alles ist schön verlötet, CPU und GPU. Gott sei Dank kann man SSD und RAM noch tauschen. Fraglich, wie lange noch.

Davor konnte ich CPU, GPU, RAM und HDD oder SSD tauschen und den Akku einfach herausklicken. Das ist der Unterschied.

06Warum mir das wichtig ist

Ja, das ist ein Jammer-Post. Aber ich mag nun mal keine dünnen Flachmänner. Ich brauche etwas Stabiles, auch ein Display, das nicht so wabbelig und filigran ist. Bei den beiden Alten könnte man fast einen Stein auf den geschlossenen Deckel werfen. Beim NEO hätte ich Angst, dass etwas kaputtgeht, wenn ich mal unsanft etwas darauf lege.

Der größte Nachteil beim Verlöten liegt aber woanders. Wenn CPU oder GPU den Geist aufgeben, wird es teuer. Die GPU kann man notfalls noch deaktivieren, bei der CPU ist dann Schluss. Solange man in der Garantie ist, geht das noch. Danach blutet der Geldbeutel.

Übrigens: Gewicht ist für mich kein Argument. Mein Laptop hat seinen festen Platz, der darf auch fünf Kilo wiegen. Wenn ich etwas Dünnes und Leichtes brauche, nehme ich mein Tablet. Ein Laptop soll bei mir Leistung und Wartbarkeit liefern, nicht möglichst wenig wiegen. Passend dazu hat mir mein Partner einen Stand gebaut, eine Art Rahmen, der den Laptop leicht erhöht. So liegt das Gerät nicht direkt auf dem Tisch und bekommt genug Luft.

07Der Gegenpol: Framework

Als harten Kontrast gibt es die Firma Framework. Auf sie bin ich zufällig gestoßen, wegen des Strix-Halo-Mini-PCs. Dabei habe ich gesehen, dass sie im selben Format auch Laptops anbieten, komplett vollmodular. An sich echt tolle Teile. Nur gibt es zu wenig Auswahl bei den GPU-Modulen, und Premium-Preise haben sie natürlich auch.

Für mich als Laptop bleibt Framework damit vorerst nur eine theoretische Option. Eher wäre ich geneigt, ihren Mini-PC zu kaufen, klein genug ist er. Und damit bin ich wieder bei der Frage vom Anfang. Wenn die freie Wahl beim Laptop praktisch weg ist, baut man sich dann vielleicht doch lieber einen kleinen, feinen SFF-PC?

08Und überhaupt: Desktops

Damit kein falscher Eindruck entsteht. Ich liebe Desktop-PCs genauso. Angefangen hat es 2004 mit einem Sockel A und einem AMD Athlon XP 3200+. Danach ging es über Sockel 775, 1151 und 1700 (mein Media-Server) bis zum aktuellen AM5. Dazu fliegen bei mir noch ein paar Mini-PCs herum.

Das Einzige, was ich nicht besitze, sind Apple-Produkte. Der Grund ist einfach. Ich bastle viel zu gern selbst, und genau darum geht es mir bei all dem. Ein Gerät, das man öffnen, verstehen und mit eigenen Händen am Leben halten kann, ist mir lieber als jede verklebte Eleganz.

Zur Einordnung: Ich mache hier keine Werbung für die genannten Firmen oder Marken. Ich stelle nur vor, was ich bisher benutzt habe, und ziehe einen Vergleich. Das basiert auf meinem subjektiven Empfinden. Ich bin klar pro Reparierbarkeit.
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